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09.07.2021
Glashütte Gernheim

Verlängerung: Glas für Cappellin und Venini

Die Sonderausstellung „Vittorio Zecchin – Glas für Cappellin und Venini“, die Mitte August in der Glashütte Gernheim zu Ende gehen sollte, wird um vier Wochen verlängert. „Wir sind sehr froh, dass Interessierte, die durch den Lockdown bisher keine Gelegenheit zum Besuch hatten, die Schau mit hochrangigen Exponaten aus Italien nun bis 12. September sehen können“, so Museumsleiterin Dr. Katrin Holthaus. Die Verlängerung ist durch die Unterstützung aller Leihgebenden ermöglicht worden.

Von 1921 bis 1925 gestaltete Vittorio Zecchin für die Glashütte von Giacomo Cappellin und Paolo Venini das gesamte Programm als erster Designer in einer Muraneser Hütte und entwickelte er einen eigenen Firmenstil, der sich deutlich von der damals vorherrschenden Produktion abhob und große internationale Anerkennung fand. Die perfekten, klassisch anmutenden Formen bestechen durch Eleganz und Zartheit. Ihre meist leicht irisierende Oberfläche lässt sie noch zerbrechlicher erscheinen und hebt ihre fein austarierte Form hervor: Die Entwürfe des Venezianers gelten noch heute als Ausgangspunkt des modernen Glasdesigns.

Der Maler Vittorio Zecchin griff für seine Gestaltung einerseits auf Vorbilder aus der Malerei von Renaissance und Barock zurück. Andererseits zeugen seine Entwürfe von großer Vertrautheit mit dem Formenkanon der Glasproduktion seit der Antike. Er entwickelte daraus ein klassisch anmutendes Formenvokabular, das zum Markenzeichen von Cappellin und Venini wurde. Die meist in zarten Farbtönen gehaltenen Objekte dieser Schaffensphase bis etwa 1925 beeindrucken noch heute durch perfekte technische Ausführung und extrem spannungsreich kalkulierte Proportionen. Diese Makellosigkeit verdanken die Objekte den exzellenten „Maestri“ der Hütte, unter ihnen der legendäre Giovanni Seguso. Zecchins Entwürfe wurden international rezipiert und beeinflussten die Glasproduktion in ganz Europa.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit „Le stanze del vetro“ und der Fondazione Cini, Venedig. Die Leihgaben der Ausstellung entstammen durchweg privaten Sammlungen.

Foto: Transparente Karaffen nach Entwurf Vittorio Zecchins. Foto: LWL/Peter Hübbe